Kultur und Tourismus – unterschätzte Wirtschaftsfaktoren
Wenn Haushalte gekürzt werden, trifft es die Kultur oft zuerst: Theater, Bibliotheken und Museen gelten als „freiwillige Leistungen“. Dabei sind Kultur und Tourismus zusammen ein bedeutender Wirtschaftsfaktor – und für viele Menschen ein wichtiger Teil dessen, was ein Land lebenswert macht.
Kultur: Ländersache und kommunale Aufgabe
In Deutschland liegt die Kulturpolitik vor allem bei den Ländern und Kommunen. Diese Kulturhoheit der Länder ist eine bewusste Lehre aus der Zentralisierung der NS-Zeit. Der Bund fördert vor allem Einrichtungen von nationaler Bedeutung, etwa die Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin, und hat dafür eine eigene Beauftragte bzw. einen eigenen Beauftragten für Kultur und Medien.
Die öffentliche Hand gibt insgesamt rund 15 Milliarden Euro im Jahr für Kultur aus. Deutschland hat eine der dichtesten Kulturlandschaften der Welt: rund 140 öffentlich getragene Theater, über 6.000 Museen, tausende Bibliotheken und Musikschulen. Das gibt es in dieser Breite fast nirgendwo sonst.
Tourismus: größer, als viele denken
Deutschland ist ein beliebtes Reiseziel – für ausländische Gäste wie für Deutsche selbst. 2024 wurden in Beherbergungsbetrieben fast 500 Millionen Übernachtungen gezählt, ein Rekord. Die Tourismusbranche beschäftigt rund drei Millionen Menschen, vom Hotel über die Gastronomie bis zum Reiseveranstalter.
Besonders gefragt sind Städte wie Berlin, München und Hamburg, die Küsten an Nord- und Ostsee, die Alpen und Mittelgebirge sowie die über 50 UNESCO-Welterbestätten – vom Kölner Dom bis zum Wattenmeer.
Warum sich Kulturförderung lohnen kann
Kultur und Tourismus wirken auf mehreren Ebenen:
- Wirtschaft: Touristen geben Geld für Unterkunft, Essen, Eintritt und Einkäufe aus. Davon profitieren auch ländliche Regionen, in denen es wenig Industrie gibt.
- Standortfaktor: Ein attraktives Kulturangebot hilft Städten, Fachkräfte und Unternehmen anzuziehen.
- Zusammenhalt: Theater, Vereine, Feste und Museen sind Orte der Begegnung und stärken die Identität einer Region.
- Ansehen: Kultur ist ein Teil der „Soft Power“ eines Landes. Goethe-Institute und Kulturaustausch prägen das Bild Deutschlands im Ausland.
Der Haken: Kulturförderung wirkt langsam und schwer messbar. Ein Museum zieht nicht im ersten Jahr Hunderttausende an, ein Festival braucht Jahre, um bekannt zu werden. Und in schlechten Zeiten ist Kultur das Erste, was gekürzt wird.
Kurz gesagt: Kultur und Tourismus sind kein Luxus, sondern Wirtschaftsfaktor, Standortfaktor und sozialer Kitt – allerdings einer, der Geduld braucht.
So spielst du es im Deutschland Simulator
Im Ressort Verwaltung stellst du unter „Kultur & Tourismus“ die Kultur- und Tourismusförderung ein.
- Einnahmen wachsen langsam, aber dauerhaft. Die Tourismus-Einnahmen steigen Monat für Monat, je höher die Förderung ist. Das Wachstum verlangsamt sich, je größer der Tourismus schon ist.
- Zu wenig Förderung lässt ihn schrumpfen. Bei sehr niedriger Förderung gehen die Tourismus-Einnahmen langsam zurück.
- Zusammenhalt und Lebensstandard. Kulturförderung stärkt außerdem den sozialen Zusammenhalt, den Lebensstandard und die Zustimmung.
- Früh investieren lohnt sich. Weil sich die Wirkung über Jahre aufbaut, profitiert am meisten, wer früh in der Partie anfängt.
Wie Infrastruktur die Attraktivität eines Standorts beeinflusst, erklärt der Artikel über Infrastruktur und Investitionsstau.