Gesundheit und Pflege – warum Krankenkassenbeiträge steigen
Das deutsche Gesundheitssystem gehört zu den teuersten der Welt – und zu den zugänglichsten: kurze Wartezeiten bei vielen Fachärzten, freie Arztwahl, dichtes Kliniknetz. Gleichzeitig steigen die Beiträge, Krankenhäuser schreiben rote Zahlen und in der Pflege fehlen Fachkräfte. Ein Überblick.
Zwei Systeme nebeneinander
Rund 90 Prozent der Menschen in Deutschland sind gesetzlich krankenversichert. Der Beitrag richtet sich nach dem Einkommen: Der allgemeine Satz liegt bei 14,6 Prozent, dazu kommt ein Zusatzbeitrag, den jede Krankenkasse selbst festlegt und der zuletzt im Schnitt bei rund 2,5 bis 3 Prozent lag. Arbeitgeber und Beschäftigte teilen sich die Kosten. Familienmitglieder ohne eigenes Einkommen sind kostenlos mitversichert.
Beamte, Selbstständige und Gutverdiener oberhalb einer Einkommensgrenze können sich stattdessen privat versichern. Dort richtet sich der Beitrag nach Alter und Gesundheitszustand beim Eintritt, nicht nach dem Einkommen.
Dieses Nebeneinander ist in Europa ungewöhnlich und wird immer wieder kritisiert. Die Idee einer „Bürgerversicherung“, in die alle einzahlen, ist seit Jahren politisch umstritten.
Warum es immer teurer wird
Deutschland gibt insgesamt rund 500 Milliarden Euro pro Jahr für Gesundheit aus, etwa 12 Prozent der Wirtschaftsleistung. Die Kosten wachsen schneller als die Einnahmen der Kassen, aus mehreren Gründen:
- Alterung: Ältere Menschen brauchen im Schnitt deutlich mehr medizinische Leistungen. Mit den Babyboomern wächst diese Gruppe stark.
- Medizinischer Fortschritt: Neue Therapien und Medikamente retten Leben, sind aber oft teuer.
- Strukturen: Deutschland hat sehr viele Klinikbetten und viele kleine Krankenhäuser, die nicht ausgelastet sind. Gleichzeitig werden viele Behandlungen stationär erbracht, die anderswo ambulant laufen.
- Personalkosten: Um Fachkräfte zu halten, steigen die Löhne in Pflege und Medizin.
Die Krankenhausreform
Mit der Krankenhausreform von 2024 soll sich die Kliniklandschaft grundlegend ändern. Krankenhäuser sollen künftig nur noch bestimmte Leistungen anbieten dürfen, wenn sie dafür die nötige Ausstattung und Erfahrung haben. Komplizierte Eingriffe sollen in spezialisierten Zentren gebündelt werden, kleine Häuser stärker auf Grundversorgung setzen. Dazu kommen Vorhaltepauschalen, damit Kliniken nicht nur über möglichst viele Fälle Geld verdienen.
Befürworter erwarten bessere Qualität und weniger Kosten. Kritiker, vor allem auf dem Land, fürchten längere Wege und Schließungen.
Die Pflege: die nächste große Baustelle
Die Pflegeversicherung gibt es seit 1995. Sie deckt nur einen Teil der Kosten ab – sie ist eine „Teilkaskoversicherung“. Den Rest zahlen Pflegebedürftige selbst oder, wenn das Geld nicht reicht, die Sozialhilfe. Gerade im Pflegeheim können die Eigenanteile mehrere tausend Euro im Monat betragen.
Inzwischen gelten über fünf Millionen Menschen als pflegebedürftig, und die Zahl steigt. Gleichzeitig fehlen schon heute zehntausende Pflegekräfte. Die meisten Pflegebedürftigen werden zu Hause von Angehörigen versorgt – eine enorme, oft unsichtbare Leistung, die vor allem Frauen erbringen.
Die Grundfrage: Wie viel Gesundheit und Pflege kann und will sich eine alternde Gesellschaft leisten – und wer trägt die Kosten: Beitragszahler, Steuerzahler oder die Betroffenen selbst?
So spielst du es im Deutschland Simulator
Im Ressort Soziales stellst du das Gesundheitsbudget ein. Es steuert die Ausgaben für Gesundheit und Pflege zugleich.
- Gesundheit ist teuer, aber wirksam. Ein höheres Budget verbessert die Versorgung, erhöht die Lebenserwartung und den Lebensstandard. Die laufenden Kosten sind allerdings hoch.
- Die Alterung treibt die Kosten. Wie die Rente wachsen Gesundheits- und Pflegeausgaben mit dem Durchschnittsalter der Bevölkerung – auch ohne Änderung am Regler.
- Forschung spart Geld. Medizinforschung im Ressort Forschung senkt die Gesundheitsausgaben um bis zu 10 Prozent und verbessert die Lebenserwartung.
- Krankenhäuser bauen. Im Projekte-Tab kannst du zusätzliche Krankenhäuser errichten, die die Versorgung verbessern.
Wie die Alterung auch die Rente unter Druck setzt, erklärt der Artikel über die gesetzliche Rente.