Goldreserven, Devisen und Staatsbeteiligungen – das Vermögen des Staates
Wenn über Staatsfinanzen gesprochen wird, geht es fast immer um Schulden. Dabei besitzt der deutsche Staat auch erhebliches Vermögen: Gold, Devisen, Unternehmensbeteiligungen, Immobilien und strategische Reserven. Wozu ist das gut – und könnte man es nicht einfach verkaufen, um Schulden zu tilgen?
Die Goldreserven
Die Deutsche Bundesbank besitzt rund 3.350 Tonnen Gold – nach den USA der zweitgrößte Goldschatz der Welt. Das meiste davon stammt aus den Jahrzehnten des Wirtschaftswunders, als Deutschland hohe Exportüberschüsse erzielte und die Dollarguthaben im damaligen Währungssystem teils in Gold getauscht wurden.
Gelagert wird das Gold heute vor allem in Frankfurt, dazu in New York und London. Zwischen 2013 und 2017 holte die Bundesbank einen großen Teil aus Paris und New York zurück – auch, weil viele Bürger Zweifel hatten, ob das Gold überhaupt noch existiert.
Wichtig: Das Gold gehört der Bundesbank, nicht der Bundesregierung. Die Bundesbank ist unabhängig, und die Regierung kann nicht einfach darüber verfügen. Gold dient als Vertrauensanker für die Währung und als Reserve für Krisen, in denen andere Vermögenswerte an Wert verlieren.
Devisenreserven
Neben Gold halten Zentralbanken Devisenreserven, also Guthaben in fremden Währungen wie US-Dollar oder Yen. Sie dienen dazu, im Notfall den Wechselkurs der eigenen Währung stützen zu können, und sichern die Zahlungsfähigkeit gegenüber dem Ausland.
Seit Einführung des Euro ist die Geldpolitik Sache der Europäischen Zentralbank. Die Bundesbank hält zwar weiterhin Reserven, eingreifen am Devisenmarkt würde aber die EZB. Ein Beispiel für aktive Devisenpolitik lieferte die Schweizerische Nationalbank: Sie kaufte jahrelang in großem Stil Fremdwährungen, um den Franken zu schwächen und die Exportwirtschaft zu stützen.
Staatsbeteiligungen
Der Bund ist an über hundert Unternehmen beteiligt, die Länder und Kommunen an tausenden weiteren – von Stadtwerken über Flughäfen bis zu Sparkassen. Zu den bekanntesten Bundesbeteiligungen gehören:
- die Deutsche Bahn (zu 100 Prozent),
- die Deutsche Telekom und die Deutsche Post/DHL (Minderheitsbeteiligungen),
- die Commerzbank, bei der der Bund nach der Finanzkrise 2008 eingestiegen ist,
- der Energiekonzern Uniper, der 2022 in der Gaskrise verstaatlicht werden musste.
Privatisieren oder verstaatlichen?
Ob der Staat Unternehmen besitzen sollte, ist eine Grundsatzfrage mit guten Argumenten auf beiden Seiten:
Für Staatsbeteiligungen spricht, dass manche Bereiche zur kritischen Infrastruktur gehören, etwa Schienennetze, Strom- und Gasnetze oder Wasserversorgung. Hier hat der Staat ein Interesse an Versorgungssicherheit, das über Gewinne hinausgeht. In Krisen kann eine Verstaatlichung außerdem Zusammenbrüche verhindern, wie bei Uniper.
Für Privatisierungen spricht, dass private Unternehmen oft effizienter wirtschaften und der Staat einmalig Geld einnimmt. Die Privatisierung von Telekom und Post in den 1990er-Jahren gilt weitgehend als Erfolg.
Das Problem beim Verkaufen, um Schulden zu tilgen: Der Erlös fließt einmal, die Dividenden fehlen danach jedes Jahr. Ein Verkauf lohnt sich finanziell nur, wenn der Preis höher ist als der Wert der künftigen Erträge – und wenn kein strategisches Interesse verloren geht.
Kurz gesagt: Staatsvermögen ist kein Sparschwein für schlechte Zeiten, sondern Sicherheitsreserve und Werkzeug. Wer es verkauft, um laufende Löcher zu stopfen, hat das Problem nur verschoben.
So spielst du es im Deutschland Simulator
Der Handel-Tab wird freigeschaltet, sobald die Schuldenquote auf 55 Prozent oder weniger sinkt. Dort kannst du Gold, Energiereserven, Devisen, Staatsbeteiligungen, Patente, Staatsanleihen und Rohstoffverträge handeln. Pro Runde stehen dir Geschäfte bis zu 2 Prozent des BIP zur Verfügung.
- Preise schwanken. Gold, Energie, Devisen und Anleihen haben eigene Marktpreise, die sich monatlich bewegen. Günstig kaufen und teuer verkaufen bringt Gewinn – aber Spekulation hat Risiken.
- Ausverkauf schadet. Reserven unter den Ausgangsbestand zu verkaufen treibt die Inflation und schwächt die Krisenfestigkeit.
- Kaufen kostet Schulden. Zukäufe werden über neue Schulden finanziert. Mehr Reserven bedeuten also auch eine höhere Schuldenquote.
- Devisenkäufe schwächen den Euro. Wie bei der Schweizer Nationalbank: Das hilft der Exportwirtschaft, erhöht aber die Inflation.
- Rohstoffverträge sichern Lieferketten für Lithium, Seltene Erden und Industriemetalle über mehrere Jahre.
- Die Mondmission verlangt Reserven. Gold, Energie- und Devisenreserven müssen mindestens auf dem Ausgangsniveau sein, dazu Staatsbeteiligungen und zugekaufte Patente. Ein Ausverkauf kurz vor dem Ziel funktioniert also nicht.
Warum Schulden und Vermögen zusammen gedacht werden müssen, erklärt der Artikel über Staatsschulden und Schuldenbremse.