Inflation verstehen – warum Preise steigen und wer etwas dagegen tun kann
Lange war Inflation in Deutschland ein Thema für Geschichtsbücher. Dann kam 2022: Energie wurde schlagartig teurer, Lebensmittel zogen nach, und im Herbst lag die Teuerung bei fast 9 Prozent – so hoch wie seit den 1950er-Jahren nicht mehr. Seitdem wissen viele Menschen wieder, wie sich Inflation anfühlt.
Was Inflation ist und wie sie gemessen wird
Inflation bedeutet, dass das allgemeine Preisniveau steigt und Geld dadurch an Kaufkraft verliert. Gemessen wird sie in Deutschland vom Statistischen Bundesamt mit dem Verbraucherpreisindex. Dafür wird ein typischer „Warenkorb“ zusammengestellt: Miete, Energie, Lebensmittel, Kleidung, Mobilität, Freizeit und vieles mehr, gewichtet nach den durchschnittlichen Ausgaben der Haushalte. Die Inflationsrate gibt an, um wie viel dieser Warenkorb teurer ist als ein Jahr zuvor.
Weil jeder Haushalt anders konsumiert, erlebt jeder eine etwas andere „persönliche“ Inflation. Wer viel Auto fährt und mit Öl heizt, hat 2022 eine deutlich höhere Teuerung gespürt als jemand, der in der Stadt mit Fernwärme wohnt.
Warum 2 Prozent das Ziel sind
Die Europäische Zentralbank strebt für den Euroraum eine Inflation von 2 Prozent an. Warum nicht null? Eine leichte Inflation gilt als gesund: Sie lässt Spielraum für Lohnanpassungen und schützt vor Deflation, also sinkenden Preisen, bei der Menschen Käufe aufschieben und die Wirtschaft in eine Abwärtsspirale geraten kann.
Zu hohe Inflation ist dagegen schädlich: Ersparnisse verlieren an Wert, Planung wird schwierig, und Menschen mit geringem Einkommen, die kaum Rücklagen haben, trifft es am härtesten.
Wer ist zuständig?
Seit Einführung des Euro ist die Geldpolitik Sache der EZB. Ihr wichtigstes Werkzeug sind die Leitzinsen: Steigen sie, werden Kredite teurer, die Nachfrage sinkt und mit ihr der Preisdruck. Nach der Inflationswelle hat die EZB die Zinsen ab Mitte 2022 in schneller Folge angehoben.
Die Bundesregierung hat keinen direkten Zugriff auf die Zinsen. Sie beeinflusst die Inflation aber über andere Kanäle:
- Steuern und Abgaben: Eine höhere Mehrwertsteuer oder ein höherer CO₂-Preis verteuert Waren unmittelbar.
- Energiepolitik: Strom-, Gas- und Spritpreise sind große Posten im Warenkorb.
- Mindestlohn: Höhere Löhne am unteren Ende erhöhen Kosten – der Effekt auf die Gesamtinflation ist aber eher klein.
- Haushaltspolitik: Sehr hohe Defizite und Schulden können Vertrauen in eine Währung untergraben und die Preise treiben.
- Entlastungspakete: Tankrabatt oder Energiepreisbremsen senken gemessene Preise kurzfristig.
Was 2022 passiert ist
Mehrere Faktoren kamen zusammen: Nach der Corona-Pandemie zog die Nachfrage schneller an, als Lieferketten liefern konnten. Dann löste der russische Angriff auf die Ukraine einen Energiepreisschock aus. Die teure Energie verteuerte in einem zweiten Schritt fast alle anderen Waren, weil Produktion und Transport Energie brauchen. 2022 lag die durchschnittliche Inflation in Deutschland bei 6,9 Prozent, 2023 bei 5,9 Prozent. Seit 2024 bewegt sie sich wieder in der Nähe von 2 Prozent.
Der Basiseffekt
Ein wichtiger, oft missverstandener Punkt: Die Inflationsrate vergleicht immer mit dem Vorjahr. Ein einmaliger Preissprung, etwa durch eine Steuererhöhung, erhöht die Inflation also nur für zwölf Monate. Danach ist das höhere Preisniveau die neue Vergleichsbasis, und die Rate fällt wieder, obwohl die Preise nicht sinken.
Wichtig: Sinkende Inflation heißt nicht sinkende Preise. Es heißt nur, dass sie langsamer steigen.
So spielst du es im Deutschland Simulator
Die Inflation siehst du oben in der Kennzahlenleiste. Eine Zentralbank, deren Zinsen du steuern kannst, gibt es im Spiel nicht – wie in der Realität wirkst du nur über die Politik deiner Regierung auf die Preise.
- Steuern wirken mit Basiseffekt. Eine höhere Mehrwertsteuer treibt die Inflation, der Effekt läuft aber wie in der Realität nach einiger Zeit aus.
- Energie ist der größte Hebel. Strom-, Sprit-, Heizöl- und Gaspreise fließen direkt ein. Ein Ölpreisschock aus einer Nahost-Krise kommt schnell bei der Inflation an.
- Schulden werden irgendwann inflationär. Defizite über 4 Prozent des BIP und eine Schuldenquote über 90 Prozent treiben die Preise zusätzlich.
- Produktivität dämpft. Wächst die Produktivität durch Entbürokratisierung, Digitalisierung und Forschung schneller als die Löhne, sinkt der Preisdruck.
- Reserven stabilisieren nur wenig. Gold- und Devisenreserven dämpfen die Inflation leicht, ein Ausverkauf treibt sie dagegen.
- Inflation hat auch eine Kehrseite. Sie lässt die Schuldenquote real schrumpfen – ein Effekt, den Staaten in der Geschichte oft genutzt haben.
Wie die Mehrwertsteuer genau auf die Preise wirkt, erklärt der Artikel über die Mehrwertsteuer.