CO₂-Preis und Spritpreis – was an der Zapfsäule wirklich drinsteckt
An der Tankstelle sieht man nur eine Zahl. Dahinter steckt eine Rechnung, bei der der Ölpreis überraschend wenig ausmacht – und der Staat gleich dreimal mitverdient.
Ein Liter Benzin, zerlegt
Im Mai 2025, dem Startmonat des Deutschland Simulators, kostete ein Liter Super E10 im Schnitt etwa 1,71 €. Der Rohölpreis lag bei rund 66 US-Dollar pro Fass (159 Liter). Daraus ergibt sich ungefähr diese Aufteilung:
| Bestandteil | €/Liter |
|---|---|
| Rohöl (66 $/Fass, umgerechnet in Euro) | ≈ 0,37 |
| Raffinerie, Transport, Lagerhaltung, Beimischung, Tankstellenmarge | ≈ 0,28 |
| Energiesteuer | 0,65 |
| CO₂-Preis (55 €/t) | ≈ 0,13 |
| Mehrwertsteuer (19 %) | ≈ 0,27 |
| Literpreis | ≈ 1,71 |
Steuern und Abgaben machen also rund 1,05 € aus – deutlich mehr als das Produkt selbst. Bemerkenswert ist wieder die Mehrwertsteuer: Sie wird auf den gesamten Nettopreis erhoben, also auch auf Energiesteuer und CO₂-Preis.
Die Energiesteuer: der größte Brocken
Die Energiesteuer (früher Mineralölsteuer) ist ein fester Betrag pro Liter, unabhängig vom Ölpreis: 65,45 Cent für Benzin und 47,04 Cent für Diesel. Leichtes Heizöl ist mit gut 6 Cent pro Liter deutlich geringer besteuert, Erdgas zum Heizen mit 0,55 Cent pro Kilowattstunde.
Dass Diesel rund 18 Cent niedriger besteuert wird als Benzin, ist historisch gewachsen – ursprünglich sollte es Speditionen und Landwirtschaft entlasten. Als Ausgleich zahlen Diesel-Pkw eine höhere Kfz-Steuer. Ob dieses „Dieselprivileg“ noch zeitgemäß ist, wird regelmäßig diskutiert.
Weil die Energiesteuer ein Fixbetrag ist, wirkt sie wie ein Stoßdämpfer: Steigt der Ölpreis um 50 Prozent, steigt der Spritpreis nur um einen Bruchteil davon.
Der CO₂-Preis: Klimaschutz über den Preis
Seit 2021 gibt es in Deutschland einen nationalen CO₂-Preis für Brennstoffe im Verkehr und beim Heizen (Brennstoffemissionshandelsgesetz). Er ist schrittweise gestiegen: von 25 € pro Tonne CO₂ im Jahr 2021 über 45 € im Jahr 2024 auf 55 € im Jahr 2025. Danach soll er in einen europäischen Emissionshandel für Gebäude und Verkehr übergehen, dessen Start die EU auf 2028 verschoben hat.
Was das pro Liter bedeutet, folgt aus einfacher Chemie: Beim Verbrennen eines Liters entstehen
- bei Benzin rund 2,32 kg CO₂,
- bei Diesel rund 2,64 kg CO₂,
- bei Heizöl rund 2,66 kg CO₂,
- bei Erdgas rund 0,2 kg CO₂ pro Kilowattstunde.
Bei 55 € pro Tonne sind das netto gut 12,8 Cent pro Liter Benzin und 14,5 Cent pro Liter Diesel – plus Mehrwertsteuer.
Rechenbeispiel: Ein CO₂-Preis von 155 statt 55 €/t würde Benzin um rund 27,6 Cent und Diesel um rund 31,4 Cent pro Liter verteuern (jeweils inklusive Mehrwertsteuer). Eine Gasheizung mit 15.000 kWh Jahresverbrauch würde rund 360 € im Jahr mehr kosten.
Die Idee dahinter: Wer viel CO₂ verursacht, zahlt mehr – und hat einen Anreiz, sparsamer zu fahren, zu dämmen oder auf Wärmepumpe und E-Auto umzusteigen. Die Einnahmen fließen in den Klima- und Transformationsfonds, aus dem unter anderem Förderprogramme bezahlt werden. Ein direkt an alle Bürger ausgezahltes Klimageld, das die Belastung pauschal zurückgibt, ist seit Jahren im Gespräch, wurde bisher aber nicht eingeführt.
Das Problem: Ein CO₂-Preis trifft Menschen mit geringem Einkommen, Pendler auf dem Land und Mieter mit alter Ölheizung besonders hart, weil sie kaum ausweichen können. Klimaschutz über den Preis funktioniert ökonomisch effizient, ist aber politisch nur durchzuhalten, wenn er sozial abgefedert wird.
Rakete und Feder: Warum Spritpreise schneller steigen als fallen
Wer regelmäßig tankt, kennt das Gefühl: Steigt der Ölpreis, ist der Sprit am nächsten Tag teurer. Fällt er, dauert es Wochen. Ökonomen nennen das den „Rakete-und-Feder“-Effekt, das Bundeskartellamt beobachtet ihn seit Jahren über seine Markttransparenzstelle.
Der Deutschland Simulator bildet das bewusst nach: Ein steigender Ölpreis wird innerhalb weniger Monate an die Zapfsäule weitergegeben, ein fallender nur zögernd. Steuern dagegen wirken sofort – eine Änderung der Energiesteuer oder des CO₂-Preises gilt ab dem Monat, in dem du sie beschließt.
Geopolitik an der Zapfsäule
Der Ölpreis selbst ist ein Weltmarktpreis, den Deutschland nicht steuern kann – wohl aber die Beziehungen zu den Förderregionen. Im Simulator hängt der Ölpreis an den diplomatischen Beziehungen zum Nahen Osten, zu Eurasien und zu Nordamerika. Ein Konflikt am Persischen Golf, etwa eine Blockade der Straße von Hormus, schlägt sich innerhalb weniger Monate auf Benzin, Diesel, Heizöl und – mit Verzögerung – auf den Gaspreis nieder.
Auch der Wechselkurs spielt mit: Öl wird in Dollar gehandelt. Ein schwächerer Euro macht jedes Fass teurer, selbst wenn der Dollarpreis gleich bleibt.
So spielst du es im Deutschland Simulator
Im Ressort Steuern findest du unter „Energie- & CO₂-Steuer“ zwei Regler:
- Energiesteuer Benzin (in Cent pro Liter): Diesel, Heizöl, Erdgas und Strom ziehen im realen Verhältnis mit. Eine Senkung entlastet also alle Energieträger auf einmal – und kostet entsprechend viele Einnahmen.
- CO₂-Preis (in Euro pro Tonne): Wirkt auf alle fossilen Brennstoffe im Verkehr und beim Heizen, proportional zu ihrem CO₂-Gehalt.
Worauf es ankommt:
- Lebensstandard und Inflation reagieren. Höhere Sprit-, Heizöl- und Gaspreise belasten die Haushalte. Im Spiel wird ihr Energiekorb nach echten Verbrauchsanteilen gewichtet: Gas und Fernwärme zählen am stärksten, dann Kraftstoffe, dann Heizöl.
- Diesel und Gas sind auch Wirtschaftsfaktoren. Logistik, Landwirtschaft und Industrie zahlen zwar keine Mehrwertsteuer, aber Energiesteuer und CO₂-Preis. Ein hoher CO₂-Preis bremst deshalb auch das BIP.
- Krisen abfedern. Wenn ein Ölpreisschock droht, ist eine vorübergehende Senkung der Energiesteuer ein schnelles Instrument – wie der „Tankrabatt“ im Sommer 2022. Vergiss nur nicht, ihn später wieder zurückzunehmen, sonst fehlt das Geld dauerhaft im Haushalt.
Wie der Strompreis entsteht und warum er anders funktioniert als der Spritpreis, erklärt der Artikel Woraus setzt sich der Strompreis zusammen?.