Kriminalität und innere Sicherheit – was die Statistik sagt und was nicht
Kaum ein Thema beeinflusst das Sicherheitsgefühl so stark wie Kriminalität – und kaum eines wird so emotional diskutiert. Wer mitreden will, sollte wissen, was die Zahlen aussagen, wo ihre Grenzen liegen und welche Faktoren tatsächlich einen Unterschied machen.
Die Polizeiliche Kriminalstatistik
Jedes Jahr veröffentlicht das Bundeskriminalamt die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS). 2024 erfasste sie rund 5,8 Millionen Straftaten, etwas weniger als im Jahr zuvor. Die Aufklärungsquote lag bei rund 58 Prozent.
Die Gewaltkriminalität – Körperverletzungen, Raub, Vergewaltigungen, Tötungsdelikte – erreichte dagegen den höchsten Stand seit 2007. Besonders diskutiert werden Messerangriffe und Gewalt im öffentlichen Raum.
Insgesamt ist Deutschland im internationalen Vergleich trotzdem ein sicheres Land. Die Zahl der Tötungsdelikte etwa liegt seit Jahrzehnten auf niedrigem Niveau.
Was die Statistik nicht zeigt
Die PKS hat wichtige Grenzen:
- Hellfeld und Dunkelfeld: Sie zählt nur Taten, die der Polizei bekannt werden. Viele Delikte – etwa häusliche Gewalt, sexuelle Übergriffe oder Online-Betrug – werden oft nicht angezeigt. Dunkelfeldstudien versuchen, diese Lücke über Befragungen zu schätzen.
- Anzeigeverhalten: Wenn Menschen häufiger anzeigen, steigen die Zahlen, ohne dass mehr passiert ist.
- Kontrolldichte: Bei Drogendelikten oder Schwarzarbeit hängt die Zahl der erfassten Fälle stark davon ab, wie intensiv die Polizei kontrolliert.
- Tatverdächtige, nicht Verurteilte: Die PKS zählt Verdachtsfälle. Ob jemand am Ende verurteilt wird, zeigt sie nicht.
Was Kriminalität beeinflusst
Die Kriminologie kennt eine Reihe von Faktoren, die mit Kriminalität zusammenhängen:
- Soziale Lage: Armut, Arbeitslosigkeit und fehlende Perspektiven erhöhen das Risiko, vor allem bei jungen Männern.
- Alter und Geschlecht: Die meisten Gewalttaten werden von jungen Männern begangen. Eine Bevölkerung mit vielen jungen Männern hat statistisch mehr Kriminalität – unabhängig von der Herkunft.
- Integration und Aufenthaltsstatus: Menschen in unsicherer Lage, ohne Arbeitserlaubnis und mit Gewalterfahrungen sind in einigen Deliktbereichen überrepräsentiert. Gelungene Integration senkt dieses Risiko deutlich.
- Polizeipräsenz und Strafverfolgung: Nicht die Härte der Strafe schreckt am meisten ab, sondern die Wahrscheinlichkeit, erwischt zu werden.
- Prävention: Jugendarbeit, Sozialarbeit, Suchthilfe und Stadtgestaltung wirken langfristig.
Wer zuständig ist
Polizei ist in Deutschland vor allem Ländersache. Der Bund unterhält die Bundespolizei für Grenzen, Bahnhöfe und Flughäfen sowie das Bundeskriminalamt für schwere und länderübergreifende Kriminalität. Hinzu kommen Justiz, Strafvollzug, Verfassungsschutz und zunehmend die Bekämpfung von Cyberkriminalität.
Die Erkenntnis: Sicherheit entsteht nicht allein durch mehr Polizei. Sie ist das Ergebnis von Strafverfolgung, sozialer Stabilität, Integration und Prävention zugleich.
So spielst du es im Deutschland Simulator
Der Kriminalitätsindex startet bei 38 von 100 (niedriger ist besser) und steht im Dashboard unter „Gesellschaft“. Er ergibt sich aus mehreren Treibern, die du über verschiedene Ressorts beeinflusst:
- Arbeitslosigkeit wirkt am stärksten: Ein guter Arbeitsmarkt senkt die Kriminalität spürbar.
- Polizeibudget im Ressort Sicherheit ist fast genauso wichtig.
- Migration: Unkontrollierte Zuwanderung und ein großer Bestand an Menschen ohne geklärten Aufenthalt erhöhen den Index, ein gutes Integrationsbudget senkt ihn.
- Soziale Absicherung: Eine ausreichende Grundsicherung senkt die Kriminalität, ein hoher Lebensstandard ebenfalls.
- Sicherheitszentren im Projekte-Tab und Sondermaßnahmen können den Index zusätzlich senken.
- Ziel für die Mondmission: Der Index muss unter 20 liegen. Das gelingt nur, wenn Arbeitsmarkt, Polizei, Migration und Sozialpolitik gleichzeitig stimmen.
Wie Polizei und Verteidigung finanziert werden, erklärt der Artikel über Verteidigungsausgaben.