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Migration und Fachkräfte – Asyl, Zuwanderung und Integration in Deutschland

Zuletzt aktualisiert am 6.10.2026 · Deutschland Simulator Ratgeber

Kaum ein Thema polarisiert so stark wie Migration. In der Debatte werden dabei oft Dinge vermischt, die rechtlich und wirtschaftlich wenig miteinander zu tun haben: Flucht und Asyl auf der einen Seite, gezielte Zuwanderung von Arbeitskräften auf der anderen. Wer die Politik verstehen will, muss beides auseinanderhalten.

Zwei sehr unterschiedliche Wege nach Deutschland

Asyl und Schutz: Wer in seinem Heimatland verfolgt wird oder vor Krieg flieht, kann in Deutschland Schutz beantragen. Grundlage sind das Grundrecht auf Asyl im Grundgesetz, die Genfer Flüchtlingskonvention und das europäische Asylrecht. Ob jemand Schutz bekommt, entscheidet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) im Einzelfall – nicht danach, ob die Person auf dem Arbeitsmarkt gebraucht wird.

Arbeits- und Bildungsmigration: Wer zum Arbeiten oder Studieren kommt, braucht ein Visum und in der Regel einen Arbeitsvertrag oder einen Studienplatz. Bürger anderer EU-Staaten dürfen dank der Freizügigkeit ohnehin in Deutschland arbeiten. Für Menschen aus Drittstaaten hat das Fachkräfteeinwanderungsgesetz die Hürden in den letzten Jahren gesenkt, etwa mit der Chancenkarte, die eine Jobsuche vor Ort nach einem Punktesystem ermöglicht.

Hinzu kommen Sonderfälle wie die rund 1,2 Millionen Geflüchteten aus der Ukraine, die ohne Asylverfahren einen vorübergehenden Schutzstatus erhalten haben.

Asyl in Zahlen

Die Zahl der Asylerstanträge schwankt stark. Nach dem Höchststand 2015/16 stieg sie zuletzt 2023 wieder auf rund 330.000 an, ging 2024 auf etwa 230.000 zurück und ist 2025 nochmals deutlich gesunken. Gründe dafür sind unter anderem die Kontrollen an allen deutschen Landgrenzen seit September 2024, Veränderungen auf den Fluchtrouten und eine strengere Politik in mehreren Transitstaaten.

Ein Asylverfahren kostet den Staat erhebliches Geld: für das BAMF, für Unterbringung, Verpflegung und Versorgung während des Verfahrens, für Gerichte bei Klagen. Je länger Verfahren dauern, desto teurer werden sie.

Ab Juni 2026 gilt in der EU das reformierte Gemeinsame Europäische Asylsystem (GEAS). Es sieht unter anderem schnellere Grenzverfahren für Menschen aus Ländern mit geringer Anerkennungsquote und einen Solidaritätsmechanismus zwischen den Mitgliedstaaten vor.

Abschiebungen: warum sie so schwierig sind

Wer keinen Schutzstatus bekommt, ist grundsätzlich ausreisepflichtig. In Deutschland betrifft das über 200.000 Menschen, die meisten davon sind jedoch geduldet – ihre Abschiebung ist vorübergehend ausgesetzt, etwa weil Papiere fehlen, das Herkunftsland nicht kooperiert oder gesundheitliche Gründe dagegensprechen. Abgeschoben werden jährlich rund 20.000 Menschen.

Abschiebungen sind teuer und aufwendig: Flüge, Begleitpersonal, Verfahren. Dauerhaftes Dulden ist allerdings meist noch teurer, weil Unterbringung und Versorgung über Jahre weiterlaufen und Geduldete oft nur eingeschränkt arbeiten dürfen. Viele Fachleute plädieren deshalb für beides: konsequentere Rückführungen dort, wo sie möglich sind, und einen leichteren Zugang zum Arbeitsmarkt für jene, die absehbar bleiben.

Fachkräftemangel: warum Deutschland auf Zuwanderung angewiesen ist

Mit dem Renteneintritt der Babyboomer verlassen in den kommenden Jahren deutlich mehr Menschen den Arbeitsmarkt, als junge nachkommen. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) schätzt, dass Deutschland netto rund 400.000 Zuwanderer pro Jahr bräuchte, um die Zahl der Arbeitskräfte halbwegs stabil zu halten.

Schon heute fehlen Fachkräfte in Pflege, Handwerk, IT und vielen technischen Berufen. Zuwanderung ist dabei kein Allheilmittel, aber einer der wenigen Hebel, der kurzfristig wirkt. Mittelfristig helfen auch eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen und Älteren sowie mehr Ausbildung.

Integration: der entscheidende Faktor

Ob Migration einem Land wirtschaftlich nützt oder schadet, entscheidet sich vor allem an der Integration. Je schneller Zugewanderte die Sprache lernen, ihre Abschlüsse anerkannt bekommen und Arbeit finden, desto eher zahlen sie Steuern und Sozialbeiträge statt Leistungen zu beziehen.

Bei Geflüchteten dauert das erfahrungsgemäß Jahre: Von denen, die 2015 kamen, war nach acht Jahren knapp zwei Drittel erwerbstätig. Bei gezielt angeworbenen Fachkräften geht es naturgemäß schneller. Sprachkurse, Kitaplätze, schnellere Anerkennungsverfahren und frühe Arbeitserlaubnisse sind deshalb Investitionen, die sich langfristig auszahlen können.

Der Kern des Zielkonflikts: Ein Staat kann seine Grenzen nicht völlig schließen, ohne Grundrechte, Europarecht und Wirtschaft zu beschädigen. Er kann sie aber auch nicht völlig öffnen, ohne Kommunen, Sozialsysteme und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu überfordern. Gute Migrationspolitik steuert, wer kommt – und sorgt dafür, dass die, die bleiben, schnell Teil der Gesellschaft werden.

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